Ureinwohner im Regenwald Borneos

Menschliche Schädel hängen an der Decke und eine Tätowierung schmückt den Hals

April 2006

Die Ureinwohner Borneos sind als Headhunter (Kopfjäger) bekannt. Um ihre heutige Lebensweise näher kennenzulernen haben wir uns auf die Suche nach einem Longhouse in der Nähe von Kapit, Sarawak gemacht. Dieser Landesteil kann ohneweiteres besucht werden. Touristen die jedoch nach Baleh oder Belaga wollen, müssen erst um eine Genehmigung ansuchen. Um dem aktuellen Regulativ Folge leisten zu können ist es ratsam sich nach Tourist Permit Kapit bereits vor der Reise nach Sarawak zu erkundigen.

Von Sibu aus ist Kapit am leichtesten mit dem Schnellboot erreichbar. Es gibt mehrere Anbieter wobei im April 2006 der Preis für eine Einzelfahrt in der höchsten Kategorie 25 Malaysische Ringgit (RM) betrug. Mit den ersten Booten am Morgen sollte man am schnellsten sein, da diese Boote weniger Zwischenstops einlegen und Kapit dadurch innerhalb von 2 Stunden Fahrtzeit erreicht wird.

Headhunter Kopfjäger Longhouse Headhunter Longhouse auf Borneo

Gleich bei der Ankunft machte Kapit keinen sehenswerten Eindruck. Eine Anlaufstelle für Touristen war damals bereits im Bau. Ein Fahrer eines Kleinbusses bot uns an, uns für 160RM zu einem Longhouse der ehemaligen Headhunter (Kopfjäger) zu bringen. Bei diesem Arrangement war es uns möglich erst nach Ankunft die Entscheidung zu treffen ob wir im Longhouse übernachten wollen.

Nach etwas über einer Stunde Fahrtzeit hatten wir das Ende der Straße und damit auch das Longhouse Ulu Yong erreicht. Wir mußten einen knietiefen Bach überqueren um von der Straße zum Longhouse zu gelangen. Als Touristen wurden wir in einem kleinen Boot einzeln von einem Ufer zum anderen gezogen. Das Boot hatte sich zwar langsam mit Wasser gefüllt, auf dieser kurzen Überfahrt ist es aber über Wasser geblieben.

Longhouse Terrasse Longhouse Terrasse

Dort angekommen, mußten wir beim Oberhaupt des Longhouses vorstellig werden. Dieser hat uns einem Bewohner zugeteilt der uns durch das Areal führen und auf uns aufpassen soll. Alleine sollten wir uns nicht hier bewegen, da es zu gefährlich sei. Nicht alle Bewohner seien über die Bewirtung von Touristen erfreut. Nach dem Besuch beim Oberhaupt durften wir fotografieren. Jeder Bewohner trägt eine Tätowierung und daher wollten wir gleich ein paar Schnappschüsse machen. Allerdings hatten wir recht bald das Gefühl, daß manche Bewohner nicht viel Freude damit haben. Zusätzlich verlangten einige 5RM fuer ein Portraitfoto. Für Fotos von den menschlichen Schädeln wollte man 10RM. Die Schädel sind Trophäen der verfeindeten Stämme aus Grossvaters Zeiten. Seit Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts soll es keine wilden Ureinwohner mehr geben.  Vor Headhunter (Kopfjägern) braucht man sich heute nicht mehr zu fürchten.

Menschliche Schädel im Korridor Menschliche Schädel im Korridor
Nahaufnahme der menschlichen Schädel Nahaufnahme menschlicher Schädel

Wir hatten uns entschieden die Nacht im Longhouse zu verbringen. Wir bekamen eine Matratze und ein Moskitonetz sowie Kaffee, Wasser, Reis, Gemüse und Vieles, das ich nicht identifizieren konnte. Wir haben auch hausgemachten Most getrunken (Tuak) und es wurden uns Handarbeiten als Souvenirs angeboten. Darunter schöne handgewebte Decken von 80RM aufwärts. Eine Weberei im Tischdeckengröße hätte uns 400RM gekostet.

Am Abend haben uns die Bewohner Ihre traditionellen Kleider vorgestellt. Leider besitzt niemand mehr ein vollständiges Kostüm. Zu groß war der Reiz in der Vergangenheit diese Gewänder zu verkaufen. Wenn man heute die komplette Tracht erwerben will, so ist das am ehesten in Lubok Antu möglich. Das liegt Die Grundausstattung mit Halstuch und Haube ist für ein paar hundert Ringgit erhältlich.  Beim dazugehörigen Silberschmuck geht das Angebot bis zu mehreren tausend Ringgit hinauf. Lubok Antu liegt am Batand Ai Stausee und ist von Sibu aus in 4 Stunden Autofahrt erreichbar.

Borneo Kautschukproduktion Kautschukmatte
Longhouse Webteppich Webteppich

Im Longhouse Ulu Yong hat man sich einen Generator zugelegt der von 07:00Uhr bis 21.00 eingeschaltet wird. Die Strasse nach Kapit besteht seit einigen Jahren. Zuvor mußten die Bewohner mit Booten dem Fluß folgen wodurch die Reise bis zu 6 Stunden gedauert hat. Außerhalb der Regenzeit war Kapit oft nicht erreichbar da man die Boote aufgrund des niedrigen Wasserstandes tragen hätte müssen. Ältere Bewohner scheinen kaum Interesse zu haben ihr Longhouse zu verlassen und einige davon haben Kapit seit Jahren nicht mehr gesehen.

Borneo Idylle Idylle im Dschungel
Longhouse Essenszubereitung Essenszubereitung
Borneo Ureinwohner Jäger Jäger mit Blasrohr und Speer
Borneo Kopfjäger Tätowierung Hals Tätowierung am Hals
Borneo Kopfjäger Tätowierung Rücken Typische Borneo Tätowierung

Die älteren Bewohner tragen  Tätowierungen am Arm, der Brust, dem Rücken und der Schulter. Jede Tätowierungen hat eine Bedeutung.  Besonderst tapfer waren wohl jene Kopfjäger die eine Tätowierung am Hals tragen.

Ihr Einkommen erzielen die Bewohner vom Ulu Yong Longhouse durch den Verkauf von Reis, Kakao, Gemüse und Kautschuk. Um Ihre Waren verkaufen zu können müssen sie nach Kapit reisen.

In Kuching kamen wir bei einem Tattoo Studio vorbei und berlegten ob wir uns eine Borneo Tattoo zum Andenken mitnehmen sollten. Das haben wir dann aber bleiben gelassen. Die Tätowierung am Hals des Ureinwohners und die menschlichen Schädel an der Decke sind uns ohnehin noch lange in Erinnerung geblieben.